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 Letzte Aktualisierung: 14.12.2011 14:38


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  Der Kostenfaktor wehrt sich ! 


Letzter Artikel aus "Metall"  Nr. 11 November  2011  Lokales Frankfurt/M. :   

Fife-Tidland:" Es hätte nicht sein müssen..."

Zwei Jahre nach der Verlagerung

 Im Jahr 2009 berichtete Metall mehrfach über den Kampf der Belegschaft von Fife-Tidland für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Zwei Jahre später sieht die Bilanz der Verlagerung so aus:

In 2009 wurde bei der Firma Fife-Tidland-GmbH in Kelkheim, einem Hersteller von Wickelwellen, Schneidanlagen und Regelsystemen für die Papier-, Folien-, Textil- und Stahlindustrie, die Entscheidung getroffen, die Produktion, bis auf eine kleinen Rest, nach Polen zu verlagern. Laut der damaligen Geschäftsführung wurde die Entscheidung hierfür von der US-Muttergesellschaft und einer ebenfalls aus USA stammenden Finanzbeteiligungsgesellschaft getroffen.

Hiermit war ein Abbau von letztlich 23 Arbeitsplätzen in Kelkheim und von ca. 45 in einem weiteren Werk in Ahaus (NRW) verbunden. Die Entscheidung für die Verlagerung war umso unverständlicher, da das Unternehmen nicht nur eine exzellente Marktstellung besaß, sondern auch überdurchschnittliche wirtschaftliche Ergebnisse erzielte.

Der Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden, Hans Irion, beauftragte in Zusammenarbeit mit der IG Metall Frankfurt und deren 2. Bevollmächtigten, Katinka Poensgen, die Frankfurter Arbeitnehmerberatung EWR GmbH zur Überprüfung des Verlagerungskonzeptes und der Erarbeitung eines Alternativ-Konzepts.

Relativ schnell stellte sich bei Wilfried Beckmanns (EWR) Analyse heraus, dass elementare Fehler bei den Planungsannahmen gemacht und das qualitative Aspekte in der Verlagerungsrechnung überhaupt nicht berücksichtigt wurden. So wurde z.B. die tatsächliche Erfolgsgeschichte von Fife-Tidland, die enge Verzahnung von Konstruktion, Produktion, Vertrieb und Service überhaupt nicht berücksichtigt.

Optimierungspotenziale in den beiden deutschen Werken wurden ignoriert und bei einem Vergleich der Personalkostenentwicklung keine realistischen Gehaltssteigerungen für den polnischen Betrieb berücksichtigt. Hohe Transportkosten, die unterschiedliche Qualifikation der Mitarbeiter, die bestehenden Netzwerke mit Lieferanten und Geschäftspartnern, die abnehmende Flexibilität und nicht zuletzt kulturelle Aspekte blieben ebenfalls unberücksichtigt.

Schnell wurde dadurch klar, dass die vom Arbeitgeber getroffenen Erwartungen in das neue Werk in Polen sich letztendlich so nicht realisieren lassen. Trotz des Aufzeigens der Planungsmängel und von Alternativen, wurde die Entscheidung pro Verlagerung aber in den wesentlichen Punkten umgesetzt.

Nach nahezu zwei Jahren Erfahrung mit der neuen Situation sehen sich die Betriebsräte der beiden Werke in ihren damaligen Befürchtungen leider mehr als bestätigt. Die Produktion im neuen Werk in Polen verursachte nicht nur eine viel längere Anlaufzeit als geplant, sondern es wurde zeitweise die dreifache Anzahl von Beschäftigten benötigt, als dies ursprünglich geplant war. Dies hat nichts mit der Arbeit der polnischen Kolleginnen und Kollegen, sondern im wesentlichen mit dem Projektmanagement und dem Unterschätzen der Komplexität und dem Know-how-Transfer zu tun. Die Durchlaufzeiten der Kundenaufträge hatten sich dadurch deutlich erhöht und normalisieren sich erst jetzt wieder langsam auf ein vertretbares Niveau. Mitarbeiter der Werke in Kelkheim und Ahaus müssen weiterhin intensiv den neuen Betrieb aus der Ferne und auch vor Ort unterstützen.

Die erwartete Kostenersparnis ist somit in weite Ferne gerückt und die allzu optimistischen Kalkulationen sind in den Schubladen verschwunden. In Kelkheim kommt zwischenzeitlich erschwerend hinzu, dass etliche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben, da sie woanders eine bessere Zukunft sehen.

Neben der menschlichen und finanziellen Unsinnigkeit der Maßnahme sind die Betriebsräte der Firma sich sicher, dass die ehemalige Stärke von Fife-Tidland, die enge Verzahnung der Abteilung und Menschen im Unternehmen nur schwer und mit viel persönlichem Engagement zurück zu gewinnen ist.

  "... aber es geht weiter!"

 Inzwischen sind neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt worden und es werden auch noch weitere gesucht.Die Betriebsräte der beiden Werke sind trotz der Vorgänge der letzen zwei Jahre positiv eingestellt. Sie gehen davon aus, dass mit der neuen Geschäftsführung und den Kolleginnen und Kollegen, wie in den letzten Monaten, weiterhin "Für den Erhalt aller Arbeitsplätze" gekämpft und gearbeitet wird

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 Erster Artikel aus "Metallzeitung" Nr. 8 August 09 Lokales Frankfurt/M. :

Reiß kein eingespieltes Team auseinander

Die Belegschaft von Fife-Tidland kämpft um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze

Bei der Firma Fife-Tidland-GmbH in Kelkheim, Hersteller von Wickelwellen, Schneidanlagen und Regelsystemen für die Papier-, Folien-, Textil- und Stahlindustrie bangt man um Arbeitsplätze. Der Betrieb steht wirtschaftlich gut da. Trotzdem soll der Betrieb zerschlagen werden. Nach dem Willen des Unternehmens soll die Produktion nach Polen und China verlagert werden. Dies soll den Verlust von mindestens 24 Arbeitsplätzen in Kelkheim und von 27 in einem weiteren Werk in Ahaus bedeuten, was für beide Werke ein Drittel der Beschäftigten ist.

  Die Belegschaft in Kelkheim ist entsetzt. Die Erfolgsgeschichte von Fife-Tidland bestand bisher darin, dass es eine enge Verzahnung von Konstruktion, Vertrieb und Produktion gegeben hat.

Jetzt fürchten nicht nur die Beschäftigten in der Produktion um ihren Arbeitsplatz, sondern alle Kolleginnen und Kollegen befürchten, dass diese Entscheidung des Arbeitgebers, mittelfristig das Aus für alle Arbeitsplätze bedeuten kann.

Der Betriebsrat und die Belegschaft sind entschlossen, mit Unterstützung der IG Metall, sich gegen die Pläne des amerikanischen Mutterkonzerns Maxcess International Corp. zur Wehr zu setzen, nach dem Motto:

 Never change a winning team! 

 

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15.9.2010   Kurze Zusammenfassung der Ereignisse, ein Auszug aus dem Geschäftsbericht der IG-Metall Verwaltungsstelle Frankfurt am Main, für das 1. Halbjahr 2010 :

Fife-Tidland - Kelkheim

 "Never change a winning team …": Unter diesem Motto stand der Kampf der Kolleginnen und KollegInnen bei Fife-Tidland um ihre Arbeitsplätze. Am 30.06.2009 wurden die Betriebsräte der Fife-Tidland GmbH von ihrer Geschäftsleitung über die geplante Verlagerung der Produktion aus Kelkheim und Ahaus nach Polen informiert. Der Betriebsrat hat mit Unterstützung der IG Metall den Widerstand gegen die geplanten Maßnahmen organisiert. Unterstützt wurden die KollegInnen von Fife- Tidland unter anderem von Regina Steiner, Fachanwältin für Arbeitsrecht, und Wilfried Beckmann, EWR Consulting, der als wirtschaftlicher Sachverständiger den Betriebsräten zur Seite stand.

Am 2.07.2009 fand eine Betriebsversammlung in Kelkheim statt, die am 15.7.2009 fortgesetzt wurde und auch an diesem Tage nicht beendet werden konnte. So gab es weitere Fortsetzungen beispielsweise am 29.07., 13.08.; 1.09.; 17.09.; 7.10.; 4.11.; 11.11.; 3.12. und 16.12.2009, sodass ca. alle 14 Tage die KollegInnen in der Betriebsversammlung über den jeweils aktuellen Stand der Auseinandersetzung informiert wurden und die Möglichkeit hatten, ihre Ideen und Anregungen zur geplanten Betriebsänderung einzubringen.

Am 5. September 2009 beteiligten sich die Fife-Tidland - KollegInnen mit eigenen Transparent an der IG Metall Demonstration in Frankfurt.

Am 26. September 2009 gab es eine Solidaritätskundgebung in Ahaus , die mit einer Spontan-Demo durch Ahaus abschlossen wurde. Die Kelkheimer KollegInnen führen mit einem IG Metall - Bus gemeinsam mit ihren Familien nach Ahaus.

Die Betriebsversammlungen im Oktober wurden unter anderem genutzt, um zum Thema: Qualifizierungsmöglichkeiten und Beschäftigungsgesellschaften zu informieren. Hierzu gab es Unterstützung von Arno Schwarzkopf / mypegasus.

Am 13. Oktober überreichten Beschäftigte der Fife-Tidland einen offenen Brief an den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Roland Koch. Hierzu nutzten sie den Rahmen einer Veranstaltung im Frankfurter Römer zur Verleihung von Hessischen Ehrenbriefen.

Am 8. November gab es im Rahmen des Kelkheimer Herbstmarktes eine Flugblattverteilung der Fife-Tidland - KollegInnen.

Ebenfalls im November lag ein Gutachten von Wilfried Beckmann vor, aus dem klar hervorging, dass eine Verlagerung der Produktion nach Polen betriebswirtschaftlich nicht darstellbar ist.

Auch das Jahr 2010 begann neben zahlreichen Gesprächen, unter anderem zwischen Gesamtbetriebsrat und Geschäftsleitung, mit Betriebsversammlungen. Neben Informationen zur aktuellen Stand der Verhandlungen ging es Ende Januar unter anderem auch um das Thema Transfergesellschaft. Hierzu wurde diesmal eine Referentin des Berufsfortbildungswerk (bfw) eingeladen.

Am 30. Januar 2010 beteiligten sich die Fife-Tidland-KollegInnen mit eigenen Transparent an der Studenten-Demonstration in Frankfurt

Am 8. Februar 2010 fand das fünfte Gespräch mit der Geschäftsleitung statt.

Hierzu gab es folgenden Bericht in der Zeitschrift "metall" Ausgabe März 2010 :

" Der Protest geht weiter ...

Seit acht Monaten kämpfen die Beschäftigten der Firma Fife-Tidland in Kelkheim gegen die Schließung der Produktion und die damit verbundene Vernichtung von 24 Arbeitsplätzen in Kelkheim.

Am Morgen des 8. Februar fanden im Ramada Hotel in Niedernhausen Gespräche zwischen dem Gesamtbetriebsrat (im Werk in Ahaus sollen ebenfalls 27 Kollegen entlassen werden) und der Geschäftsführung statt.

Die Kelkheimer Belegschaft hatte sich entschieden mal selber ein Wort bei diesen Verhandlungen mitzureden und sich mit einem Bus auf den Weg nach Niedernhausen gemacht. Dort gab es eine Kundgebung der IG Metall, an der sich auch Betriebsräte aus anderen Betrieben beteiligten, um die Fife-Tidland - Kollegen solidarisch zu unterstützen.

Die Geschäftsleitung weigerte sich, den gut geheizten Verhandlungsraum zu verlassen, um der Belegschaft Rede und Antwort zu stehen. Kurz entschlossen zogen die Beschäftigten selber in den Verhandlungsraum. Der Geschäftsführer Gerd Mathes war nicht bereit, sein Konzept den Beschäftigten zu erklären. Statt dessen sagte er: "Verschwinden Sie hier."

Wir meinen, wenn jemand gehen soll, dann er. Schließlich steht die Firma Fife-Tidland wirtschaftlich sehr gut da. Es gibt keinen Grund die Produktion zu verlagern. Im Gegenteil: Eine Verlagerung bedroht den kompletten Betrieb, da das Erfolgsrezept von Fife-Tidland bisher die enge Verzahnung von Entwicklung, Produktion und Vertrieb gewesen ist. Das ist künftig nicht mehr gegeben, wenn es nach dem Willen der Geschäftsführung geht. Immerhin hat die Aktion der Beschäftigten neben einen guten Presseecho dazu geführt, dass Herr Mathes am 9. Februar erstmals mit Teilen der Belegschaft Gespräche gesucht hat."

Am 22. Februar fand das sechste Gespräch, am 10. März das siebte Gespräch, am 23. März das achte Gespräch statt und so weiter und so fort. Man sieht, dass die Taktzahlen der Verhandlungen sich inzwischen erhöht hatte. Der Druck der Belegschaft wurde immer größer endlich zu vernünftigen Vereinbarungen zu kommen. Es wurde aber auch klar, dass die Belegschaft und der Betriebsrat nicht die Kraft dazu hatten, die Verlagerungsabsichten der Geschäftsleitung zu verhindern.

Am Ende der langen und fantasievollen engagierten Auseinandersetzung stand eine deutliche Verzögerung der angedachten Betriebsänderung und ein Sozialplan, der Abfindungen für den Verlust der Arbeitsplätze regelt, in einer Höhe, wie wir es im Rhein-Main-Gebiet jedenfalls selten haben.

Nähere Informationen über die Auseinandersetzung um die Arbeitsplätze bei Fife-Tidland finden sich im Internet auf der Soli - Homepage: fife-tidland-soli.npage.de

Hier finden sich viele nachahmenswerte Ideen, wie es auch in Klein- und Mittelbetrieben möglich ist, mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit und Einbeziehung der betroffenen Kolleginnen und Kollegen etwas zu bewegen. Alle Beteiligten freuen sich, wenn ihre Aktionsideen Nachahmer finden.